CO-Working Giessen Wetzlar – eine Übersicht

CO-Working in Giessen / Wetzlar 

„Für X (eine bundesweit arbeitende Organisation) sind wir derzeit auf der Suche nach 2 bis 3 Arbeitsplätzen (Co-working), gerne mit verfügbarem Seminarraum in Wetzlar. Der Mietbeginn sollte zeitnah sein, jedoch kein langfristiger Mietvertrag.“

Das war der Text der email, den mir die Wirtschaftsförderung weitergeleitet hatte.

Ich telefonierte mit der Dame und sagte ihr dass ich in Wetzlar keine Co-Working-Angebote kenne und auch keine kleinen Büros hätte, da ich nur Flächen ab 100 m2 anbieten würde.

In Gießen könnte es vielleicht Co-Working-Flächen geben.

Genau wußte ich es damals nicht.

Aber so fangen ja die Geschichten meistens an…

Warum schreibe ich überhaupt einen Artikel über Co-Working ?

aus 2 Gründen

  1. …weil mich der Hype zum Thema Co-Working nervt. Vor allem weil in der regionalen Bürowelt die Lage völlig anders aussieht.

und weil ich dann Dingen gern selbst auf den Grund gehe

Dazu muss ich sagen…

Ich vermiete und verkaufe jetzt seit 20 Jahren Büros (und Hallen, Gewerbeobjekte)
und war davor schon einige Jahre Projektleiter sehr großer Baulandentwicklungen.

Vor einigen Jahren habe ich mit meiner damaligen Assistentin den Versuch unternommen Büros unter 100 m2 zu vermieten.

Es aber nach kurzer Zeit wieder bleiben lassen,vor allem wegen

…des geringen Angebots qualifizierter Büroflächen
…der sehr durchwachsenen Mieterqualität in dieser m2-Klasse
…des deutlich höheren Arbeitsaufwandes für deutlich weniger Provision

Entsprechend war ich auch beim Co-Working skeptisch…

Viel Arbeit mit wenig makleraffinen Coworking-Mietinteressenten (meist jungen Leuten) mit hohen Ansprüchen und wenig Verlass darauf dass die in X Wochen noch oder schon Geld haben um die Miete zu bezahlen.

Aber fangen wir bei den Basics an

Was ist Co-Working?

Co-Working ist ein professionell gemanagtes Gemeinschaftsbüro, wo Sie je nach Anbieter tage, wochen- oder monatsweise einen „Arbeitsplatz“ oder einen eigenen Büroraum mieten können.

Wo kommt Co-Working her ?

Wie vieles …aus USA. …und hier vor allem aus der Szene der kreativen Berufe und Firmengründer, die sich mangels Knete alte, heruntergekommene und daher billige Fabriketagen teilten, die nicht selten Gründerzentrum hießen.

Diese Leute merkten, dass sie in Netzwerken aus unterschiedlichen Betrieben, Qualifikationen und Heimaten erfolgreicher waren als allein im stillen Kämmerlein.

Erst später entdeckten Immobilienentwickler und Großunternehmen das Geschäft.

Wie funktioniert Coworking?

Die Betreiber der sog. Coworking-Spaces stellt fix und fertig eingerichtete Arbeitsplätze (Schreibtisch, Stuhl, Beleuchtung, IT-Anbindung etc. ) oder Büroräume in einem Bürogebäude / einer Büroetage zur Verfügung.

Man hat meist die Wahl zwischen einem festen Büro (das man sich auch mit anderen teilen kann) und einem Schreibtisch im sogenannten Open Space.

Je nach Ort und Anbieter kann man die Arbeitsplätze oder Büros tages-, wochen- oder monatsweise mieten.

Was erwartet der Co-Worker vom Co-Working Betreiber?

  1. Professionelles Äußeres vorzugsweise cool (aber professionell)
  2. Professionelle Arbeitsumgebung – ideal Glasfaseranschluss, kostenloses WLAN, Anbindung an Drucker Scanner
  3. Flexible Kündigungsmöglichkeiten
  4. Große Küche / Aufenthaltsraum, Chill-Ecken,
  5. Zugriff auf Besprechungsräume (mit Beamer)
  6. Einen schnell erreichbaren Ansprechpartner.

Wer sind die Kunden für die Co-Working spaces?

  • Einzelkämpfer aller Art
    Freelancer,  (der deutsche Freiberufler) ;
    Homeoffice-„Bewohner“ denen es daheim zu einsam ist
    Kreative
    Digitale Nomaden (Unternehmer und solche die es werden wollen, die nur einen Laptop brauchen um ihr Ding zu machen)
  • Start-ups
  • kleine Firmen die Kunden in professioneller Umgebung empfangen wollen (und so größer und professioneller erscheinen (wollen)
  • Große Firmen die für eine begrenzte Zeit flexible Büros suchen

Warum brummt Co-Working in den Großstädten?

Weil dort große Unternehmen z.Z. gerne Büros auf Zeit buchen; wenn sie vorübergehend zusätzlichen Raum in der Nähe ihrer Standorte brauchen, der sonst schwer zu bekommen ist.

Weiterer Vorteil für große Firmen: Pro Arbeitsplatz liegen die Kosten der Gemeinschaftsbüros oft unter denen eigener Standorte.

Dazu kommt dass Büroflächen in vielen deutschen Großstädten knapp sind.
Das spielt den Coworking-Unternehmen in die Hände.

Nachtrag:
WeWork – man kann sagen der Trendsetter der Co-Working Szene hat Stand Mai 2019

in Deutschland 5 Standorte: Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Koln 

In Frankreich nur Paris, in Belgien nur Brüssel, in Polen nur Warschau, in Italien  nur Rom

Irland nur Dublin, Niederlande nur Amsterdam, Schweden nur Stockholm, Norwegen kommt, Schweiz Fehlanzeige, Österreich Fehlanzeige, Dänemark Fehlanzeige.

Das heißt Coworking ist vor allem ein Fall für Großstädte.

In der ein oder anderen Meldung in den Mainstreammedien kommt man auf die Idee es würde die Welt einstürzen wenn in Hühnerhof-Ortsteil keine Coworking-Angebote vorhanden wären.

Wie sieht die Co-Working Szene im Raum Wetzlar Giessen aus?

Wetzlar

Hier sind mir – Stand April 2019 – keine Co-Working Angebote bekannt.

Gießen

In Gießen gibt es Stand heute – April 2019 – 3 Co-Working Anbieter
Jeder mit einer etwas anderen Ausrichtung und Zielrichtung.

Co-Working Angebote in Gießen

BetaBox Gießen:

Gießen, Am alten Schlachthof = Gottfried-Arnold-Str. 3A,
offenes Büro (147m2) mit 20 Arbeitsplätzen, neun Plätze frei, 250 E pro Monat, www.betabox-giessen.de Tel: +49 641 4988 01 00  Fax. +49 641 4988 01 10  info@betabox-giessen.de

Gemanagt wird das Ganze von der Hausverwaltung des bekannten ImmobilienInvestors Wolfgang Lust, dem vor allem denkmalgeschützte Objekt am Herz liegen. Und der in Gießen schon einige Akzente gesetzt hat, u.a. mit dem Restaurant und Hotel Heyligenstädt, aber auch mit seiner Projektentwicklung am Alten Schlachthof, wo auch Betabox sitzt.

raumstation3539:

Die Raumstation ist nach eigenen Aussagen kulturell kreativ orientiert und eine Genossenschaft.

Grünberger Str. 22, offenes Büro (80m2) mit 9 Plätzen, lt. Webseite am 20.4.2019 einige offene Plätze.

95 bis 115 E pro Monat für Mitglieder der Genossenschaft, 135E für Nichtmitglieder, www.raumstation3539.net – Tel.: 0641 80 89 89 87  info@raumstation3539.net

Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG):

Gießen, Im sog. Europaviertel, Winchesterstraße 2,
Büro (27m2) mit zwei Plätzen, beide Plätze verfügbar, 23,80E pro Tag, 95,20E pro Woche, 297,50E pro Monat,
www.tig-gmbh.de

 Hier ein m.E. guter Artikel dazu
https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Arbeiten-wie-im-Silicon-Valley-Die-Beta-Box-im-Giessener-Schlachthof;art71,457213

Wie groß ist der Stellenwert der Co-Working-Flächen im regionalen Büromarkt?

Lt. einem Artikel in der Giessener Allgemeine vom 12. Juli 2018  bieten die 3 Ambieter zusammen 254 m2 Co-Working Space an.

Bei geschätzt 500.000 m2 Bürofläche entspricht das einem halbem Promille oder anders gesagt: 1/2000stel der Büroflächen in Gießen sind Co-working space.

Ist Coworking was für Sie als Vermieter aus der Region?

Was Sie wissen müssen

Regel 1 Gießen ist nicht Berlin.

Das bedeutet: Großunternehmen als Nachfrager fallen in der Provinz im Regelfall weg.

Regel 2 Co-Working ist vom Büro-Vermarktungsvolumen unbedeutend

Regel 3 Coworking erfordert eine entsprechend Organisation

zumindest eine sehr gute Hausverwaltung.

Ein normales Bürogebäude lässt sich durch den Vermieter selbst oder eine durchschnittliche Hausverwaltung handeln.

Co-Working ist arbeitsintensiver

WLAN ausgefallen, Cafe-Maschine kaputt, Kunde 1 braucht 2 Büros mehr ab morgen, kunde 3 und 4 wollen nur noch jeden Dienstag kommen ob das geht… Dafür ist der Coworking Betreiber zuständig – in der Provinz häufig mit dem Vermieter identisch.

 

Mein persönliches Fazit.

Beim Recherchieren für diesen Artikel habe ich einiges gelernt.

Wirtschaftliche Bedeutung für Bürovermieter hier in der Region?
Allgemein unbedeutend. Im Einzelfall vielleicht interessant.

Wirtschaftliche Bedeutung für mich als Makler?
Meist unbedeutend, im Einzelfall können aus Co-Workern Kunden entstehen.

Interessant für die wirtschaftliche Entwicklung der Region?
Auf alle Fälle besser als wenn jeder daheim in seinem Homeoffice vor sich hin brütet.

Hilfreich für die Co-Working-Kunden?
Sehr wahrscheinlich sehr förderlich. Allein durch das Networking und die vielen guten oder auch mitunter schlechten Beispiele anderer Mieter ergeben sich vielfältige positive Auswirkungen. Das habe ich vorher so nicht gesehen.

Persönliches Fazit:
Vor allem durch den letzten Punkt, die Vorteile für die Co-Worker selbst bin ich von einem totalen Ablehner zu einem “Hey gar nicht so uninteressant für die Region”-Typ geworden.

Wenn es euch gefallen hat, dann schreibt mir bitte einen kleinen Kommentar.

Danke vorab

bleibt munter

bis bald

euer Robert Puth